Trauer

Ich traf Frau H. wieder, nachdem vor 6 Wochen ihr Mann gestorben war. Sie erzählte mir von ihren letzten Wochen. Wie sie schon begonnen hatte, Kleider zu verschenken, die Briefmarkensammlung zu verkaufen und darüber nachzudenken, ob sie noch in der jetzt zu großen Wohnung bleiben will. Ich war erstaunt, wie tatkräftig sie schon in dieser kurzen Zeit gewesen war. Was sind 6 Wochen – nach 53 Ehejahren? Natürlich flossen auch ein paar Tränen. Was mich verblüffte, war, dass sie schon jetzt die ersten „guten“ Ratschläge bekam, insbesondere den Satz: „Das Leben muss ja weitergehen.“ Wird damit nicht oft auch ein versteckter Appell vermittelt: „Sei nicht mehr traurig“. „Schaue voran anstatt dich in Erinnerungen zu verlieren.“ Im Extremfall vielleicht auch: „Lass mich damit in Ruhe!“ Ist es Unsicherheit der Betreffenden, so etwas zu sagen? Furcht vor Tod und Trauer? Vielleicht ist es ganz einfach. Ich glaube Fr. H. tat es gut, dass ihr einfach nur jemand zugehört und ein paar vorsichtige Fragen gestellt hat. Denn das Leben geht ja weiter – mit der Trauer. 

Inken Hansen

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