Trübsal blasen

In der Kneipe zur grünen Raute lassen die Männer am Stammtisch die Köpfe hängen. Werder hat gegen Bayern verloren. „Jetzt hört doch mal auf Trübsal zu blasen, ich geb einen aus.“, sagt der Wirt und bringt eine Runde Bier.

„Trübsal blasen“ steht für deprimierte Stimmung und Traurigkeit. Aber woher kommt diese Redewendung?

Früher war es üblich, dass bei Beerdigungen der Turmwächter vom Kirchturm herab eine traurige Melodie geblasen hat. So konnten alle hören, hier wird ein Mensch zu Grabe getragen.  Das „Trübsal blasen“ gehörte zum Alltag in der Stadt und ist somit sprichwörtlich geworden. Allerdings konnten sich nicht alle so eine Begleitmusik zum Abschied leisten, schließlich kosten Musiker Geld. Viele wurden ohne Musik zu Grabe getragen, also „sang –und klanglos“, was dann auch wiederum sprichwörtlich geworden ist.

Was Werder angeht, ist Trübsal blasen nicht angesagt, die Gefahr, dass sie sang-und klanglos absteigen, besteht diese Saison wohl kaum noch.

 

Rainer Claus

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