Einem alten Mann in China und seinem Sohn lief ihr Hengst davon, ein wertvoller Besitz. Die Leute im Dorf bedauerten ihn, doch der alte Mann sagte nur: „Wer weiß, wofür es gut ist.“ Kurze Zeit später war der Hengst wieder da, zusammen mit einer zweiten Pferd. Jetzt waren die Leute im Dorf begeistert. Der Alte sagte nur: „Wer weiß, wofür es gut ist.“ Am nächsten Tag stieg der Sohn auf das neue Wildpferd, doch das warf ihn so heftig ab, dass der Sohn sich beide Beine brach. Die Nachbarn im Dorf bedauerten ihn, doch der alten Mann blieb gelassen: „Wer weiß, wofür es gut ist.“ Kurz danach begann ein Krieg. Der König brauchte Soldaten, und alle jungen Männer wurden in die Armee gezwungen. Nur den Sohn des alten Mannes konnten sie nicht gebrauchen. „Was hast du für ein Glück „‚, riefen die Leute im Dorf. Der Alte sagte nur: „Wer weiß, wofür es gut ist.“ – Das geht mir auch oft so: Ich ärgere mich über etwas, was ich ohnehin nicht ändern kann und verbrauche dabei eine Menge Lebenskraft und Zeit. Anstatt zu fragen, warum mußte das gerade mir passieren, kann ich ja auch fragen: Wozu ist dieses oder jenes jetzt gerade gut. Inzwischen weiß ich: Es sind in erster Linie unsere Denkmuster und nicht die Ereignisse, die uns unglücklich oder zufrieden machen. Also: „Wer weiß, wofür es gut ist.“

 

 

 

Rüdiger Schaarschmidt

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